70. Festival Locarno

02.08.2017 bis 12.08.2017
Locarno
Ecumenical Jury Locarno 2017

Die Mitglieder der Ökumenischen Jury (© Festival Locarno)

Die Preise des 70. Festival Locarno sind vergeben. Die Ökumenische Jury zeichnete den amerikanischen Beitrag "Lucky" von John Carroll Lynch mit Harry Dean Stanton in der Titelrolle aus und vergab außerdem zwei Lobende Erwähnungen. Der Goldene Leopard ging an den chinesischen Film "Mrs. Fang" von Wang Bing. Den Spezialpreis der Internationalen Festivaljury unter dem Vorsitz von Olivier Assayas erhielt der brasilianische Wettbewerbsbeitrag "As boas maniera" von Juliane Rojas und Marco Dutra, den Preis für die Beste Regie gewann der Franzose F. J. Ossang für "9 doigts". Die Jury der internationalen Filmkritik (Fipresci) vergab ihren Preis an "Qing Ting zhi yan" (Dragonfly Eyes) von Xu Bing, der von der Ökumenischen Jury eine Lobende Erwähnung erhielt.

18 Filme standen im internationalen Wettbewerb des 70. Festivals Locarno. Sie konkurrierten um den Goldenen Leoparden und weitere Preise, darunter auch um den Preis der Ökumenischen Jury. Mit der Jacques Tourneur gewidmeten Retrospektive blickte das Festival zurück, mit Innovationen wie dem digitalen Wettbewerb #movieofmylife, an dem sich jeder beteiligen konnte, blickte es in die Zukunft. Der Ehrenleopard des Jubiläumsfestivals wurde einem konsequenten Außenseiter und Modernisten des Kinos verliehen: Jean-Marie Straub. Zwölf seiner Filme zeigte das Festival, darunter bekannte Titel wie "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter" (1968), "Dalla nube alla resistenza" (1979) oder "Klassenverhältnisse" (1984). Eröffnet wurde  das Festival am 2. August auf der Piazza Grande mit "Demain et tous les autres jours" von Noémy Lvovsky.

Link: Festival-Website

Link: Interview mit dem Präsidenten der Ökumenischen Jury, Joachim Valentin

Auszeichnungen

2017

Konzipiert als Hommage an Harry Dean Stanton, einen unserer grössten Charakterdarsteller, fragt «Lucky» nach dem Sinn des Lebens im Angesicht des nahen Todes. Unter der Regie eines versierten Schauspielers und unter Mitwirkung David Lynchs in einer einprägsamen Nebenrolle, spielt der Film in einer kleinen Stadt am Rande der Wüste. Gespielt von dem 91jährigen Stanton, lernt Lucky, obwohl zornig, ängstlich und alleine, nach und nach andere zu lieben und schliesslich eine dem Leben zugrundliegende Spiritualität zu erkennen.

Winter Brothers
2017

«Vinterbrødre» nimmt uns mit in die Dunkelheit einer Kalkmine die von nur wenig Licht erhellt wird. Zwei ungleiche und traumatisierte Brüder kämpfen in einer Welt aus harter Arbeit, illegalem Alkoholhandel und sozialer Kälte um ein wenig Liebe. Der Film zeigt mit starken Bildern und eindrücklichem Sounddesign wie primitiv das Leben sein kann und wie gross die Sehnsucht nach Menschlichkeit.

Dragonfly Eyes
Regie:
2017

Nur unter Verwendung von Videomaterial aus Überwachungskameras, entwickelt XU Bing die Geschichte eines Paares, versklavt von Kommunikationsmitteln des 21. Jahrhunderts. Mit Hilfe seines experimentellen Verfahrens weist er dringlich darauf hin, dass Technologie jede Distanz zerstört, ohne Nähe hervorzubrungen.

Mehr zum Festival

Harry Dean Stanton ist berühmt für seine Rollen in «Paris Texas» von Wim Wenders und «The Godfather Part II» von Francis Ford Coppola. Mit 90 Jahren ist er nochmals vor die Kamera getreten und gibt den verschrobenen, aber lebenstauglichen Cowboy im Südwesten der USA. Mit «Lucky» hat ihm der junge Regisseur John Carroll Lynch ein Denkmal gesetzt. Weitere starke Filme aus Nordamerika, die im Wettbewerb von Locarno zu sehen waren, regen an zum Nachdenken über Leben und Tod.