76. Internationales Filmfestival Venedig

28.08.2019 bis 07.09.2019
Venedig
La Verité (Hirokazu Kore-eda)

Eröffnungsfilm in Venedig 2019: "La Verité" von Hirokazu Kore-eda

Die INTERFILM-Jury hat beim 76. Internationalen Filmfestival Venedig den INTERFILM-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs an die tunesisch-französische Koproduktion „Bik eneich – Un fils“ von Mehdi M. Barsaoui vergeben. Der Film handelt von einem Ehepaar, dessen Sohn nach einem Überfall schwer verletzt wird und nur durch eine Lebertransplantation gerettet werde kann. Als sich herausstellt, dass beide Eltern nicht als Spender in Frage kommen, entwickelt sich ein bitterer Konflikt zwischen den Eheleuten, der die bedrohliche Situation des Kindes noch verschärft. Hauptdarsteller Sami Bouajila wurde auch als Bester männlicher Darsteller in der Sektion Orizzonti ausgezeichnet.
Den Goldenen Löwen gewann überraschend die amerikanische Comic-Verfilmung „Joker“ von Todd Philips. Ihren Grand Prix verlieh die Jury an Roman Polanskis „J’accuse“, eine brillante und höchst aktuelle Verfilmung der Dreyfus-Affäre. Auch die Jury des Verbands der internationalen Filmkritik (Fipresci) zeichnete den Film Polanskis aus. Einen weiteren Silbernen Löwen, den Preis für die Beste Regie, erhielt Roy Andersson für seinen Film „About Endlessness“.

Mit "La Verité" von Hirokazu Kore-eda wurde das 76. Internationale Filmfestival Venedig eröffnet. Der japanische Regisseur hat erstmals außerhalb Japans gedreht. Die INTERFILM-Jury wählt für ihren Preis aus den beiden Wettbewerbssektionen - internationaler Wettbewerb und Orizzonti - den besten Film zur Förderung des interreligiösen Dialogs.

Link: Festival-Website

Auszeichnungen

2019

 

Wir haben auf diesem Festival viele gute Filme gesehen. Aber die INTERFILM- Jury hat spezifische Kriterien, die den interreligiösen Dialog betreffen.

Religion ist meist präsent als sozialer Kontext einer Gesetzgebung, gegen die die Menschen kämpfen müssen, um sich zu befreien.

Spirituelle Erfahrung muss nicht unbedingt einer konkreten Religion zugeordnet sein, kämpft aber für Menschenrechte und gegen gesellschaftlichen Druck.

Ein Hauptthema dieses Festivals war die Familie. Überall ändert sich das traditionelle Modell und die Traumata kleiner Kinder erklären einige unserer aktuellen Probleme. Die Gesellschaft sucht eindeutig nach neuen Parametern. Hoffnung ist eine zarte Blüte.

Der Jury ist auch aufgefallen, dass viel mehr Filme ihre Geschichte aus einer männlichen Perspektive erzählen als durch die Augen von Frauen.

Aus diesen Gründen hat die Jury vier Filme in die engere Wahl genommen:
A perfect candidate von Haifa Al Mansour; Balloon von Pema Tseden,  Hava, Maryam, Ayesha von Sarah Karimi und Bik eneich - Un fils von Mehdi M. Barsaoui.

Alle erzählen Geschichten über die Spannung zwischen persönlicher Freiheit, sozialen Erwartungen und religiös-kulturellen Traditionen.

Die INTERFILM-Jury vergibt ihren Preis, den INTERFILM-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs in Venedig 2019, an

Bik eneich - Un fils von Mehdi M. Barsaoui

aufgrund seiner herausragenden künstlerischen Qualität und menschlichen Werte. Ein tödlich verwundetes Kind kann nur durch eine Transplantation gerettet werden. Wieweit können Eltern gehen, wenn ethische Fragen betroffen sind ? Das Paar wird entscheiden müssen, was sie zu opfern bereit sind - und der Entschluss ist nicht selbstverständlich.