62. Nordische Filmtage Lübeck

04.11.2020 bis 08.11.2020
Lübeck


Der von der INTERFILM-Jury verliehene Kirchliche Filmpreis ging 2020 an "Eine toral normale Familie" (En helt almindelig familie) von Malou Reymann aus Dänemark. Die Festivaljury der Nordischen Filmtage verlieh den NDR-Filmpreis an die lettische Regisseurin Dace Püce für ihren Film "Die Grube" (Bedre). Die Jugendjury verlieh ihren Preis an "Tiger" (Tigrar) von Ronnie Sanndahl aus Schweden, der auch eine Lobende Erwähnung der INTERFILM-Jury erhielt.

Aufgrund einer Verfügung der Stadt Lübeck vom 26. Oktober 2020 zur Verhinderung von Infektionen mit dem Corona-Virus konnten die 62. Nordischen Filmtage Lübeck nur online stattfinden. Die geplanten Vorführungen in den Kinos und anderen Orten der Stadt mussten kurzfristig abgesagt werden. Das Festival war das letzte unter der künstlerischen Leitung von Linde Fröhlich, die diese Funktion seit Ende 2000 ausübt. Als ihr Nachfolger wurde Thomas Hailer ernannt, der zuvor Kurator der Berlinale und Berater von Festivaldirektor Dieter Kosslick war.

Link: Festival-Website

Auszeichnungen

Eine ganz normale Familie
Regie:
2020

Dem Film gelingt es in hervorragender, einfühlsamer Weise davon zu erzählen, wie es ist, Teil einer Familie zu sein. Es gibt keine Helden oder Schurken - nur Menschen, die sich lieben und doch miteinander unvereinbar sind, weil wir alle Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Hoffnungen und Träumen sind. Die vollkommen normale Familiengeschichte führt uns über die Grenzen des Gewöhnlichen hinaus, nur um zu zeigen, dass wahre menschliche Werte alle Hindernisse überwinden können und in allen Situationen vorhanden sind. Unserer Meinung nach ist dies von hoher Relevanz, weil es nicht um das Thema der Geschlechtsanpassung an sich geht, sondern darum, dass Veränderungen in der Identität eine Herausforderung für unsere Beziehungen darstellen. Der Film ist sehr gut gemacht und ein Juwel an schauspielerischer Leistung, vor allem von den beiden Mädchen.

Tiger
2020

Die Pforte ist eng, der rechte Weg ist schmal - das könnte das Thema dieser gut erzählten Geschichte unterstreichen. Sie zeigt die angespannte Situation im Profisport und bringt ein Thema der heutigen Gesellschaft auf den Punkt: Die Erfüllung von Träumen wird über alles andere gestellt, in diesem Fall im Fussball. Auf der einen Seite werden die Fussballspieler von der Gesellschaft vergoldet. Auf der anderen Seite werden sie bis an ihre äussersten Grenzen beschnitten. "Tiger" ist ein Film, der noch lange nach der Vorführung zum Nachdenken anregt. Eine ausgezeichnete Arbeit, die authentisch und zeitgemäß in ihrem Erzählstil ist.