58. Internationales Filmfestival Locarno

03.08.2005 bis 13.08.2005
Locarno
Ökumenische Jury Locarno 2005

Die Ökumenische Jury Locarno 2005 (© Fotofestival/Pedrazzini)

Locarno 2005 hatte für INTERFILM eine besondere Bedeutung. Die 1955 in Paris gegründete Organisation feierte dort ihr 50. Jubiläum und vergab aus diesem Anlass einen Sonderpreis an Wim Wenders "in Anerkennung seines herausragenden Beitrags zur Kunst des Films", wie es in der Laudatio von INTERFILMs Executive Director Karsten Visarius hieß. Dieser war zugleich Präsident der Ökumenischen Jury, die ihren Preis für den besten Film des Wettbewerbs an "La neuvaine" von Bernard Émond aus Kanada verlieh. Mit einer Lobenden Erwähnung hob die Jury außerdem den Film "Brudermord" von Yilmaz Arslan hervor, der auch einen Silbernen Leoparden gewann.

Der Goldene Leopard ging an "Nine Lives" von Rodrigo García aus den USA, ein Spezialpreis der Internationalen Jury an den französischen Wettbewerbsbeitrag "Un couple parfait" von Nobuhiro Suwa.  Die Fipresci-Jury des Verbands der internationalen Filmkritik gab ihren Preis an "A Perfect Day" (Mia yperohi mera) von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige, eine französisch-libanesisch-deutsche Koproduktion.  

Auszeichnungen

2005

Während viele religiöse Filme an ihren Bekehrungsbemühungen oder an einer befremdlichen Frömmigkeit scheitern, gelingt es LA NEUVAINE, Glaubensgewissheit zu respektieren und gleichzeitig die Schwierigkeiten anzuerkennen, in einer säkularen Welt und im Schatten gewaltsamer Tragödien an Gott zu glauben  Ein junger Mann, der für seine sterbende Großmutter einen neuntägigen Gebetsritus vollzieht, trifft auf eine durch das Erlebnis sinnloser Gewalt traumatisierte Ärztin. Ihre Begegnung führt nicht zu Wundern oder einer Bekehrung, sondern zu Güte und erneuerter Hoffnung.

Fratricide
Regie:
2005

Die Ökumenische Jury vergibt eine Lobende Erwähnung an den Film FRATRICIDE von Yilmaz Arslan. FRATRICIDE fordert zur Auseinandersetzung mit dem drängenden europäischen Flüchtlingsproblem heraus. Der Film spielt unter Kurden in Deutschland. Yilmaz Arslan verbindet die komplexe Geschichte zweier Brüder sowohl mit Szenen physischer Gewalt als auch mit dem anrührenden Bild freundschaftlicher Fürsorge. Sein Film ist eine Anklage gegen Rassismus und Ignoranz, aber auch ein Plädoyer für umfassende  Menschlichkeit und Würde.