Visions du Réel 2005

11. Festival international de cinéma
18.04.2005 bis 24.04.2005
Nyon

Die internationale Filmkultur, die am Festival Visions du Réel in Nyon gezeigt und diskutiert wird, hat sich bisher auch als sensible Plattform für den Dialog zwischen verschiedenen religiösen Kulturen und Werthaltungen präsentiert. Entsprechend wurden die vier Mitglieder der erstmals in Nyon vertretenen Interreligiösen Jury in ihren Erwartungen nicht enttäuscht. Die formal wie inhaltlich abwechslungsreichen und vielseitigen 18 Filme des Wettbewerbsprogramms zeichneten sich sowohl durch ihre unverwechselbare Qualität wie unvergleichbare Darstellung der Wirklichkeit aus und gaben Anlass für einen intensiven Gedanken- und Meinungsaustausch. Der Interreligiöse Filmpreis ging an den finnischen Film "Fata Morgana", der die kulturelle Assimilation und Russifizierung des Nomadenvolks der Tschuktschen nachzeichnet. Der von der Interreligiösen Jury ebenfalls vergebene Spezialpreis der John Templeton Stiftung ging an "Un dragon dans les eaux pures de caucase" (The Pipeline Next Door) der Georgierin Nina Kirtadze, der ebenfalls den Hauptpreis der Internationalen Festivaljury gewann. Er schildert den Bau einer Pipeline in einem für sein heilsames Wasser berühmten Tal des Kaukasus, im Konflikt mit einem kaukasischen Bauerndorf. 

Auszeichnungen

2004

Der Film ist eine durch Legenden und Mythen geprägte allegorische Annäherung an die menschlichen und existentiellen Grundfragen: Woher komme ich, wer bin ich und wohin gehe ich? Die Filmemacher bringen diese auf harmonische Weise zur Darstellung, indem sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Hilfe von Archivbildern, animierten Sequenzen und rekonstruierten Aufnahmen in Einklang bringen.
Der Film beschäftigt sich mit der Dominierung von Minderheiten in Kultur, Wirtschaft und Religion. Er ist ein unaufdringlicher, aber bestimmter Aufruf zu gegenseitigem Verstehen und Annehmen, und eine Einladung, Wahrheit als etwas zu betrachten, das mit Bescheidenheit und Mut zu suchen ist.

The Pipeline Next Door
Regie:
2005

Im Mittelpunkt dieses fesselnden Films stehen die Bewohner eines georgischen Dorfes im Kaukasus. die sich angesichts des Drachens vor ihrer Haustüre in Form einer sich unerbittlich herannahenden Öl-Pipeline mit einer globalen Entwicklung konfrontiert sehen. Die Kamera führt uns, oft mit einem humorvollen Blick, an Themen wie postkommunistische Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, unsichere Wirtschaft, ökologische Gefahren und die Rolle einer transnationale Gesellschaft heran. Angesichts des Bades ausländischer Arbeiter im klaren Bergwasser erhebt sogar noch Fremdenfeindlichkeit ihr hässliches Haupt. Die unverfälschten und eigentlichen Anliegen der Dorfbewohner sind eingefangen im Gebet für lokalen, nationalen und weltweiten Frieden in den Ruinen einer Kirche.