72. Internationales Filmfestival Venedig

02.09.2015 bis 12.09.2015
Venedig


Am 2. September wurde das 72. Filmfestival Venedig mit der isländischen Produktion "Everest" von Baltasar Kormákur eröffnet, einem mit Weltstars besetzten Abenteuerfilm in 3D. Unter den 21 Wettbewerbsbeiträgen waren Filme von Marco Bellocchio, Atom Egoyan, Amos Gitai und Alexander Sokurow, der 2011 mit seinem Film "Faust" den Goldenen Löwen gewonnen hat. Die INTERFILM-Jury berücksichtigt auch Filme aus der Festivalsektion "Orizzonti", die filmischen Entdeckungen gewidmet ist. Sie vergab zum fünften Mal den INTERFILM-Preis zur Förderung des Interreligiösen Dialogs. Er ging an den iranischen Orizzonti-Beitrag "Wednesday, May 9", der sich mit dem Thema Barmherzigkeit auseinandersetzt. Der Film erhielt auch den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik. Bei der Preisverleihung hob die Jury auch die Filme "Mountain" von Yaelle Kayam (Israel/Dänemark 2015) und "The Heart of a Dog" von Laurie Anderson (USA 2015) hervor, die ebenfalls als Preisträger zur Diskussion standen. Die SIGNIS-Jury entschied sich für den chinesischen Wettbewerbsbeitrag "Behemoth", einen Dokumentarfilm über die Kohle- und Stahlindustrie Chinas mit Anleihen bei Dantes "Göttlicher Komödie". Die Internationale Jury unter Präsident Alfonso Cuarón überraschte viele Festivalbesucher mit der Entscheidung, den Goldenen Löwen an "Desde allá" (From Afar) von Lorenzo Vigas zu vergeben, eine Koproduktion aus Venezuela und Mexiko.

Link: Festival-Website

Wednesday, May 9
2015

Der Film erzählt von Jalal, der seinen eigenen Schmerz überwinden möchte, indem er einem Bedürftigen Geld schenkt. Dramaturgisch überzeugend verknüpft der Film das Leben von drei Menschen aus dem Teheran der Gegenwart. Sprechende Bilder zeigen die Konflikte und Leiden der Figuren, die in ihrer Bedrängnis auf Barmherzigkeit hoffen. Mit seinem Plädoyer für Mitgefühl, Erbarmen und Altruismus vor dem Hintergrund einer islamischen Kultur verweist der Film auf die Allgemeingültigkeit menschlicher Werte und ermutigt dazu, interreligiöse Dialoge mit ethischen Fragen zu beginnen, statt über Dogmen zu streiten. Die Jury hebt insbesondere das vielseitige Talent von Vahid Jalilvand hervor, das gute Drehbuch und die eindrucksvolle Darstellung der Schauspieler.

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In ihrem Festivalbericht stellt Heike Kühn drei Filme eingehend vor: "Heart of a Dog" von Kaurie Anderson, "Anomalisa" von Charlie Kaufman und "Wednesday, May 9" von Vahid Jalilvand.