66. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

13.05.2020 bis 18.05.2020
Oberhausen

"Shepherds" von Teboho Edkins, eine Dokumentation über wegen Viehdiebstahls zu Gefängnis veruteilte Hirten in Lesotho, hat den mit 1500 € dotierten Preis der Ökumenischen Jury bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2020 gewonnen. Lobende Erwähnungen verlieh die Jury an "Las muertes de Arístides" (Die vielen Tode des Arístides) von Lázaro Lemus aus Kuba und an "Milenina píseň" (Milena's Song) von Marie Lukáčová und Anna Remešová aus Tschechien. Im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb vergab die Jury Empfehlungen an "Warum Schnecken keine Beine haben" von Aline Höchli aus der Schweiz und an "I Am Not Your F***cking Stereotype" von Hesome Chemamah aus Thailand.

Die internationale Festivaljury verlieh den Großen Preis der Stadt Oberhausen an "A Month of Single Frames" von Lynne Sachs (USA) und ihren Hauptpreis an "Bittersweet" von Sohrab Hura (Indien). Die Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zeichnete mit ihrem Preis ebenfalls Teboho Edkins aus. Die Jury des Verbands der internationalen Filmkritik verlieh ihren Preis an "I Am the People_I" von Xiaofei Li (Volksrepublik China 2020).

Wegen der Corona-Krise organisierten die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen ihre 66. Ausgabe als Online-Festival. Vom 13. bis 18. Mai 2020 gingen mit über 350 Filmen knapp zwei Drittel des ursprünglich geplanten Festivalvolumens von rund 550 Filmen online. Zahlreiche Sektionen wurden ganz oder teilweise im Internet vorgestellt. Zutritt zum Online-Festival hatten Besucher mit einem Festivalpass zum Preis von 9,99 Euro, mit dem alle Interessierten sechs Tage lang unbeschränkt Kurzfilme sehen konnten, vom Kinderfilm ab drei Jahren bis zur kenianischen Webserie. Alle Erlöse aus dem Verkauf der Festivalpässe leiteten die Kurzfilmtage weiter an die Stiftung Sozialwerk der VG Bild Kunst. Auch die Ökumenische Jury hat ihr Programm, den Internationalen Wettbewerb, online gesichtet und in einer Videokonferenzschaltung ihre Preisträger ermittelt.

Link: Festival-Website

Auszeichnungen

Regie:
2020

Der Film zeigt das psychologische Drama von Hirten aus Lesotho. Einige wurden zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Kühe gestohlen hatten. Die Ökumenische Jury beeindruckt die Originalität des Themas (die Wertschätzung der Kühe in der lesothischen Gesellschaft), die Professionalität der Filmregie, die Bildästhetik und die Stille, die den Zuschauer zur Meditation einlädt. Der Film zeigt den Wert der Kühe im Leben der Mitglieder dieser Gemeinschaft. Er lenkt aber auch die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Kluft zwischen Vergehen und Strafe.

The Many Deaths of Arístide
Regie:
2019


Für die innovative, originelle und intime Herangehensweise an das Thema Krieg, Leben und Tod vergibt die Ökumenische Jury eine Lobende Erwähnung an Las muertes de Arístides von Lazaro Lemus, Kuba. Die Animation einer Figur als Silhouette, die auf einem Boot durch die Dunkelheit fährt, verschmilzt mit den eingefrorenen Momenten der Zeit. Wir hören den Brief eines jungen Mannes, der nie nach Hause zurückgekehrt ist. Der Film stellt sein Gebet für Olga als Hoffnung in den Mittelpunkt, als einen Schrei an Gott für das Leben des anderen, als Liebe, die die Tiefen der Dunkelheit überstrahlt. Er macht die Erinnerung lebendig und sprengt die Zeitgrenzen. Der Film transzendiert visuell, was sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Ein Werk des puren Kinos.

Milena's Song
2019

Die Schöpfer von Milenina píseň entfalten in ihrem Film das Thema einer Herzensspiritualität. Sie zeigen eine Küsterin in einer Kirche, die im Schatten der institutionellen Hierarchie ihren eigenen Weg findet ihren Glauben auszudrücken. Mit einem getanzten Gebet zeigt sie sich als Gläubige. Sie bezieht sich dabei auf Zeiten der frühen Kirchenväter und erinnert an kulturell dezentrale und nicht-hierarchische Formen des Glaubens. Der Mut und die außergewöhnliche Botschaft haben die Ökumenische Jury beeindruckt. Hinzu kommt die ästhetische Form des Films, der die wahre Schönheit der Wiedervereinigung des Menschen mit dem göttlichen Ursprung anschaulich werden lässt. Die Schöpfer von Milenina píseň entfalten in ihrem Film das Thema einer Herzensspiritualität. Sie zeigen eine Küsterin in einer Kirche, die im Schatten der institutionellen Hierarchie ihren eigenen Weg findet ihren Glauben auszudrücken. Mit einem getanzten Gebet zeigt sie sich als Gläubige. Sie bezieht sich dabei auf Zeiten der frühen Kirchenväter und erinnert an kulturell dezentrale und nicht-hierarchische Formen des Glaubens. Der Mut und die außergewöhnliche Botschaft haben die Ökumenische Jury beeindruckt. Hinzu kommt die ästhetische Form des Films, der die wahre Schönheit der Wiedervereinigung des Menschen mit dem göttlichen Ursprung anschaulich werden lässt.

Mehr zum Festival

Dirk von Jutrczenka, Mitglied der Ökumenischen Jury bei den 66. Kurzfilmtagen Oberhausen 2020, kommentiert Filme des Festivalprogramms und berichtet von den Erfahrungen bei der Online-Ausgabe des Festivals.
Dietmar Adler, Jury-Koordinator von INTERFILM, stellt die Online-Ausgabe der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2020 vor.