Penélope Cruz und Javier Bardem sind wohl die international bekanntesten Stars aus Spanien. Lange haben sie in Los Angeles gelebt, inzwischen wieder in Madrid. Schon vor 34 Jahren standen sie in „Jamón, jamón“ (Lust auf Fleisch, Regie: Bigas Luna, Spanien 1992) gemeinsam vor der Kamera. Auch privat sind die beiden lange ein Paar. Entsprechend groß waren Erwartungen, sie in Florian Zellers „Bunker“ als Ehepaar zu sehen. Bardem spielt den spanischen Architekten Miguel, der seit einigen Jahren in London lebt und gerade mit einem renommierten Preis ausgezeichnet wurde, als er ein finanziell attraktives Angebot erhält. Er soll für einen Tech-Milliardär einen Bunker unter dessen Anwesen in Hawaii bauen. Paul Dano spielt den Auftraggeber, der nicht zufällig an Mark Zuckerberg erinnert und in einem Zoom-Call versucht, den zögernden Architekten für sein Projekt zu gewinnen.
Miguels Frau Sofia (Penélope Cruz) ist wenig begeistert von der Idee, dass sich ein Milliardär einen Bunker bauen lässt, um im Katastrophenfall zu überleben, während der Rest der Menschheit vor die Hunde geht. Sie ist schon lange mit ihrem gemeinsamen Leben unzufrieden, bei einer nächtlichen Auseinandersetzung spitzt sich der Konflikt zu. Das ist schauspielerisch exzellent umgesetzt.
Während das Publikum begeistert reagierte, war die Reaktion der Kritiker gespalten.
Florian Zeller, der französische Autor und Regisseur mit deutschen Wurzeln, gewann vor sechs Jahren mit seinem ersten Film „Father“, einem adaptierten Theaterstück, auf Anhieb einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch und präsentierte vor drei Jahren in Venedig „Son“. „Bunker“ hat er explizit für seine Protagonisten Penélope Cruz und Javier Bardem geschrieben. Zwischen den beiden entwickelt sich eine spannende Dynamik, als die Risse in ihrer Beziehung zunehmend tiefer werden. Im Film wie auch in der Pressekonferenz wirkte Penélope Cruz als der stärkere Part, die mit ihrer verbalen Schärfe und Eloquenz Javier Bardem in die Enge treibt. Dass die beiden untereinander Spanisch sprechen ist ein weiteres Plus des Films.
Der dänische Film „Kvinde Ukendt“ (Woman Unknown) lebt ebenfalls von seinen ausgezeichneten Schauspielern, in erster Linie von der Hauptdarstellerin Mathilde Arcel. Sie verkörpert Marie, eine Frau, die als Kindermädchen bei einem verwitweten Fabrikanten arbeitet. Sie darf das Bett mit ihm teilen, eine spätere Heirat steht in Aussicht. Aber Marie hat ein dunkles Geheimnis, dass alle Pläne zunichtemachen könnte. Beim Besuch eines Gynäkologen erfahren wir, dass ein Sohn nach einer komplizierten Geburt gestorben ist und sie seitdem unter einer permanenten Entzündung leidet. Als ein früherer Schulfreund auftaucht und sie erpresst, ahnen wir, dass der Vater des Kindes wohl ein deutscher Soldat war.
Dänemark unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg - man feiert die Befreiung von der deutschen Besatzung und nimmt Rache an Frauen, die Beziehungen zu deutschen Soldaten unterhielten und jetzt als ‚Nazihuren‘ kahlgeschoren und öffentlich gedemütigt werden. Bis heute wird in Dänemark der Mythos des heroischen Widerstands gefeiert. Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy zeigt die dunkle Seite des nationalen Mythos, erzählt von Kollaboration und Rache der Sieger. Dabei wird eine moralische Ambivalenz spürbar, verkörpert in der Figur von Marie, von der wir nicht wissen, ob sie unsere Sympathie verdient. Wie subtil das geschieht, ist vor allem das Verdienst von Mathilde Arcel, die auf beeindruckend zurückgenommene Weise den ganzen Film trägt. Für mich eine klare Favoritin für den Darstellerpreis, was nicht zuletzt den Zweck eines solchen Preises erfüllen würde, nämlich eine kaum bekannte Schauspielerin international ins Rampenlicht zu rücken.
Beide Filme, sowohl „Bunker“ als auch „Woman Unknown“, spielen vor allem in geschlossenen Räumen, was ein Gefühl von Enge vermittelt und das Gefangensein der Figuren unterstreicht.