-
Venedig

Die INTERFILM-Jury in Venedig 2026 verlieh den 15. Preis zur Förderung des interreligösen Dialogs an die französische Produktion "Un bon petit soldat" vom Stéphane Brizé und sichtete dafür Filme sowohl aus dem Internationalen Wettbewerb als auch den Orizzonti, der zweiten Wettbewerbssektion des Festivals. Der Preis soll ästhetisch überzeugenden Filmen Bachtung verschaffen, die Verständnis, Respekt, Sympathie und Frieden zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Geschichte und unterschiedlichen Glaubens vermitteln.

Der Film wurde auch mit dem Preis für das Beste Drehbuch von der internationalen Festivaljury ausgezeichnet. Den Goldenen Löwen vergab sie an "Kvinde ukendt" (Woman Unknown, Dänemark, Schweden. Lettland 2026) von May el-Toukhy, Hauptdarstellerin Mathilde Arcel erhielt die Coppa Volpi als Beste Schauspielerin. Einen Silbernen Löwen, den Grand Prix der Jury, erhielt "Ga-neung-han sa-rang" (Possible Love, Südkorea 2026) von Lee Chang-dong, ein Spezialpreis der Jury ging an "Naza" (Großbritannien 2026) von Yuval Abraham und Rachel Szor. John Malkovich wurde als Bester Schauspieler mit einer Coppa Volpi für seine Rolle in "Wild Horse Nine" (Großbritannien, USA, Chile 2026) von Martin MacDonagh ausgezeichnet. Die katholische SIGNIS-Jury vergab ihren Preis an "Look Back" (Japan 2026) von Hirokazu Koreeda. Lee Chang-dongs "Possible Love" erhielt auch den Preis der Jury der internationalen Filmkritik (Fipresci), die in den Orizzonti "The Color of the Sun" (Kanada, Italien, Japan 2026) von Xavier Tera als besten Film auszeichnete.

Am 2. September wurde die 83. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica mit "Ink" von Danny Boyle eröffnet. Das biografische Drama schildert den Aufstieg des britischen Boulevardballts The Sun in den sechziger Jahren. Im Mittelpunkt stehen der Medienunternehmer Rupert Murdoch, gespielt von Guy Pierce, und der Redakteur Larry Lamb, verkörpert von Jack O'Connell.

Neben den Wettbewerbssektionen umfasste das Festivalprogramm eine umfangreiche Sektion unter dem Titel "Open" mit Filmen außerhalb des Wettbewerbs sowie die Venezia Classici mit restaurierten Klassikern. Im Rahmen von Orizzonti fand auch ein eigener Kurzfilmwettbewerb statt.

Link: Website des Festivals

A Good Little Soldier
Un bon petit soldat
2026

Carla Moretti, hervorragend dargestellt von Alba Rohrwacher, ist von ihrer Arbeit bei einer Versicherungsgesellschaft völlig eingenommen und kommuniziert mit ihrem Sohn ausschließlich über das Handy. Der Film hält der Heuchelei einer Arbeitskultur den Spiegel vor, die von Inklusion, Menschlichkeit und Freude spricht und gleichzeitig Wettbewerb, Produktivität und Profit belohnt. Mit großer Intensität und stilistischer Kohärenz deckt der Film die ethischen Widersprüche des Kapitalismus auf. Er richtet einen eindringlichen Appell an alle Zuschauerinnen und Zuschauer: So geht Menschlichkeit verloren – eine Herausforderung für unser christliches Gewissen. Indem der Film die Widersprüche unseres vorherrschenden Wertesystems aufdeckt, lädt er dazu ein, neu zu überdenken, was – und wen – wir wertschätzen wollen.

More about the festival

Peter Paul Huth kommentiert zustimmend die Preisverleihung in Venedig 2026 und hebt insbesondere den Gewinner des Goldenen Löwen, "Kvinde Ukendt" (Unknown Woman) von May el-Toukhy und "Un bon petit soldat" von Stéphane Brizé hervor, der den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der INTERFILM-Jury erhielt.
Einen "Helden des Kapitalismus" porträtiert Alex Gibneys Dokumentarfilm "Musk", während "DAU" von Il'ja Chržanovskij die Opfer des Stalinismus heraufbeschwört.
Zwei politische Filme erregen die Aufmerksamkeit in den letzten Tagen des Festivals. "Naza" von Yuval Abraham und Rachel Szor dokumentiert in Aussagen von israelischen Armeeangehörigen die Strategien des Krieges in Gaza, die die Hamas ebenso wie die Zivilbevölkerung im Fokus haben. "Ritorno a Buenos Aires" von Mario Bechis erinnert an die Folter in der Zeit der argentinischen Militärherrschaft.
Florian Zellers "Bunker" handelt von einem Beziehungsdrama, mit Penelope Cruz und Javier Bardem als Protagonisten, während "Kvinde Ukendt" (Unknown Woman), der einzige von einer Regisseurin gedrehte Wettbewerbsbeitrag in Venedig 2026, von der Abhängigkeit von Frauen und der bedenkenlos gegen sie gerichteten (Alltags-)Gewalt in Dänemark kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt.
Vier italienische Filme hat Venedig 2026 im internationalen Wettbewerb programmiert, darunter "Succederá questa notte" (It Will Happen Tonight) von Nanni Moretti, "The Echo Chamber" von Andrea Pallaoro und "L'Estranea" (The Spiral) von Paolo Strippoli.

Jury

INTERFILM-Jury

Die INTERFILM-Jury verleiht den Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs.

Präsidentin

Movie search