Rezension von Gabriel Oukèmou

Le christianisme dans l’œil de la caméra, Jacques Champeaux et Waltraud Verlaguet ((Hg.), mit Beiträgen von Joël Baumann, Jacques Champeaux, Florence de Tienda, Nic Diament, Arielle Domon, Jean Domon, Julia Helmke, Roland Kauffmann, Jean Lods, Christophe Singer, Nicole Vercueil, Jacques Vercueil, Waltraud Verlaguet, Jean Wilkowski, Françoise Wilkowski-Dehove, Jean-Michel Zucker, Olivétan, Lyon, 2026, 310 pp., 21 €

1996 veröffentlichte die Zeitschrift CinémAction ein Sonderheft mit dem Titel „Christentum und Kino“, das in rund zwanzig Beiträgen ein Panorama der „möglichen Annäherungen“ zwischen dem Christentum — in einem weiten, sowohl historischen als auch konfessionellen Sinn — und dem Kino entwarf, auch hier verstanden in der Vielfalt seiner Genres und Zugänge. Seither ist die Bibliographie zwar gewachsen, auf katholischer Seite etwa mit der Petite théologie du cinéma von Jean Collet und Michel Cazenave oder, auf protestantischer Seite, mit Le protestantisme et le cinéma von Bernard Reymond; doch nur selten geschieht dies in einer so breit angelegten Perspektive wie in dem vorliegenden Sammelband, der von der protestantischen Filmorganisation Pro-Fil vorgelegt und von Jacques Champeaux und Waltraud Verlaguet als Herausgebern betreut wurde.

Die zahlreichen Beiträge sind nämlich in einem entschieden nicht-konfessionellen Geist verfasst, ja sogar von einem streng nicht-religiösen Standpunkt aus. Mit anderen Worten: Entsprechend der Geschichte dieser Vereinigung, die zwar protestantisch geprägt, aber allen ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit offensteht, nähern sich die Autorinnen und Autoren ihrem Gegenstand zunächst aus cinephiler Perspektive: Was will ein bestimmter Film sagen? Und wie erzählt er uns seine Geschichte? Erst in einem zweiten Schritt fragen sie danach, welche anthropologische, gesellschaftliche oder politische Bedeutung der Film oder der Filmemacher trägt. Schließlich wird in einer synthetischen Perspektive untersucht, welche theologischen, biblischen oder religiösen Bezüge der Regisseur bewusst oder im Hintergrund seines Werks verwendet.

Darin liegt die ganze Originalität des Pro-Fil-Ansatzes, der hier anhand der behandelten Themen zur Anwendung kommt: Ausgangspunkt ist nicht ein theologisches Urteil a priori, sondern der „in Bilder gesetzte Diskurs“, der ein Film seinem Wesen nach ist. Die großen Themen, die das Kino aufgreift — Schöpfung, Erlösung, Vergebung, ja Sühne, oder auch die Gestalt Jesu und großer Persönlichkeiten der Kirchengeschichte — werden je nach Genre unterschiedlich bearbeitet. So wird etwa die Spannung zwischen Erlösung, Rache und Vergebung nach den Codes des Westerns untersucht („La Bible et le fusil“, Arielle Domon) oder anhand der filmischen Darstellung von Klöstern („Entre les murs du couvent“, Nic Diament). Dies sind Beispiele für den Gesamtansatz des Bandes, der eine Lektüre auf mehreren Ebenen ermöglicht, thematisch oder nach Genres geordnet, mit schönen Überraschungen wie der Untersuchung des Begriffs der Gnade in Jean-Jacques Annauds "Der Bär" („Grâce et cinéma“, Christophe Singer).

Eine Gnade, die dort erscheint, wo man sie nicht erwartet, und dort fehlt, wo man sie erwarten würde: Dieses Bild fasst das Projekt des Bandes selbst zusammen. Neben Analysen, die gleichermaßen filmwissenschaftlich wie theologisch sind, versäumt er es nicht, eine Methode der Filmanalyse darzustellen („Le cinéma comme outil de la théologie“, Waltraud Verlaguet) und den Blick zu erweitern, indem er auf die Geschichte der Vereinigung zurückkommt oder ihren europäischen Horizont innerhalb der ökumenischen Jurys großer Festivals vorstellt („Interfilm et Jurys œcuméniques“, Julia Helmke), wo der Leser ein Netzwerk entdeckt, das sich in ökumenischer Logik auf die europäischen Kirchen ausdehnt.

Die Vereinigung Pro-Fil trägt so dazu bei, einem möglichst breiten Publikum — weit über kirchliche Kreise hinaus — die religiösen oder theologischen Unterströmungen verständlich zu machen, die das Kino nutzt, um sein Publikum zu bewegen, herauszufordern oder zu unterhalten. Als Kunstwerk und geistige Schöpfung ebenso wie als industrielles und kommerzielles Objekt transportiert ein Film immer einen Diskurs, eine Form der Weltdarstellung und ein Verhältnis zur Transzendenz oder zur Immanenz, das befragt werden kann und seinerseits Institutionen oder Einzelne in ihrem eigenen Verhältnis zu existenziellen Fragen befragt. Jeder Zuschauer eines Films bringt seine eigene religiöse oder schlicht existentielle Geschichte mit, und Regisseure oder Produzenten machen sich dies zunutze, weil sie sehr wohl wissen, dass sie damit — selbst wenn ihre Bezüge unausgesprochen bleiben — den Kern dessen berühren, was die Menschlichkeit ihrer Zuschauer ausmacht. Eine existentielle Frage, der sie mit Intelligenz dienen oder die sie skrupellos ausbeuten können. Genau darin liegt das Interesse dieses Bandes: diese Mechanismen sichtbar zu machen und den kritischen Geist jedes echten Cinephilen zu schärfen.

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